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Wasserstoff-Importstrategie – Die potenziellen Herkunftsländer der Wasserstoffimporte

Sonne und Wind sind essenzielle Standortfaktoren, um Wasserstoff nachhaltig zu produzieren

Dieser Beitrag ist der zweite Teil einer vierteiligen Artikelserie anlässlich der Veröffentlichung der Wasserstoff-Importstrategie der damaligen Bundesregierung im Juli 2024 und behandelt die voraussichtlichen Herkunftsländer der Wasserstoffimporte. Er knüpft an den ersten Beitrag der Serie zur Wasserstoff-Importstrategie – Markthochlauf und Importbedarf – an.

Wasserstoff aus der EU / den EFTA-Mitgliedsstaaten

Innerhalb der EU sollen entsprechend der europäischen Wasserstoffstrategie und dem REPowerEU-Plan der EU-Kommission bis 2030 10 Millionen Tonnen Wasserstoff produziert werden. Besonders günstige Produktionsbedingungen bieten dabei Regionen, die über hohe Wind- und Solarpotentiale verfügen. Solche lassen sich insbesondere finden

  • in der Nordsee,
  • in der Ostsee,
  • im Mittelmeerraum und
  • im Schwarzmeerraum.

Ausweislich der Wasserstoff-Importstrategie soll ein Dialog mit den betreffenden EU- und EFTA-Mitgliedsstaaten über die regulatorischen und marktbezogenen Fragen des Wasserstoffmarkthochlaufs stattfinden. So können innereuropäische Lieferbeziehungen sowie ein solidarischer Wasserstoffmarkt entstehen.

Kooperationen mit potenzielle Exportnationen außerhalb der EU / EFTA

Auch außerhalb der EU- bzw. der EFTA-Mitgliedstaaten arbeitet die Bundesrepublik Deutschland bilateral mit potenziellen Partnerländern zusammen, um dort Kapazitäten der Wasserstoffproduktion und des Wasserstoffexports aufzubauen. Dies geschieht überwiegend im Rahmen von Klima- und Energie-Partnerschaften (KEP) sowie Wasserstoffpartnerschaften.

Bilaterale Wasserstoff-Kooperationsabkommen hat Deutschland bereits mit Ägypten, Algerien, Australien, Chile, Indien, Neuseeland, dem Oman, Saudi-Arabien, Südafrika, der Türkei, den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Vereinigten Königreich geschlossen. Diese Staaten haben bessere Wasserstoff-Produktionsbedingungen als Deutschland.

  • Beispielsweise hat Australien etwa die doppelte Sonneneinstrahlung Deutschlands, sehr gute Windverhältnisse und große Landflächen. Die Zusammenarbeit wurde 2021 durch eine gemeinsame Absichtserklärung („Deutsch-Australischer Wasserstoff-Akkord“) begründet. Die drei zentralen Initiativen der Absichtserklärung sind HyGATE (German-Australien Hydrogen Innovation and Technology Incubator), die Unterstützung von deutsch-australischen Demonstrationsprojekten und die Erleichterung des Verkaufs von Wasserstoff und seinen Derivaten von Australien an Deutschland in Form der H2Global-Initiative. Um die genaue Ausgestaltung der weiteren Wasserstoff-Kooperation zwischen Deutschland und Australien zu konkretisieren, wird seit 2020 an einer vom heutigen Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt geförderten Machbarkeitsstudie gearbeitet. Eine besondere Herausforderung liegt in dem Transport des in Australien produzierten Wasserstoffs nach Deutschland.
  • Das Vereinigte Königreich hat Erfahrung und unerschlossene Potenziale im Bereich der Offshore-Windparks. Weiterhin plant das Vereinigte Königreich Exporteur von grünem Wasserstoff zu werden. Die Zusammenarbeit soll die folgenden Bereiche umfassen:
    • die Beschleunigung der Realisierung von Wasserstoffprojekten;
    • den Aufbau einer internationalen Führungsrolle zur Unterstützung der Entwicklung von regionalen und globalen Wasserstoffmärkten;
    • die Förderung von Forschungs- und Innovationsprojekten;
    • die Förderung von Handelsmöglichkeiten von Wasserstoff und wasserstoffbezogenen Waren, Technologien und Dienstleistungen; und
    • die Untersuchung finanzieller Fördermechanismen.

Dabei erfolgt die Zusammenarbeit durch Kooperationen und Wissensaustausch und nicht über den Transfer von finanziellen Mitteln. Dies könnte zudem durch eine sich derzeit in einer (frühen) Planungsphase befindlichen Kooperation zwischen Betreibern von Wasserstoff-Übertragungsnetzen ergänzt werden.

  • Chile hat ausreichend Freiflächen und eine hohe Sonneneinstrahlung, sodass sich ein großes Potenzial für Solarenergie ergibt. Bereits seit 2019 besteht zwischen Deutschland und Chile eine Energiepartnerschaft im Rahmen derer verschiedene Konferenzen und Task Forces entstanden sind. Herausforderungen sind neben dem Aufbau des erforderlichen Fachwissens der Fachkräfte vor Ort und eines umweltverträglichen Wassermanagements auch der Transport des grünen Wasserstoffs nach Deutschland.

Wasserstoff-Forschungspartnerschaften bestehen beispielsweise mitKanada, Neuseeland, den Niederlanden und Japan. Sie bringen frühzeitig Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen und begründen so spätere Importbeziehungen. Außerdem soll sich Deutschland als Exporteur von Wasserstofftechnologien etablieren. Zudem kann Personal zum Aufbau einer lokalen Wasserstoffwirtschaft ausgebildet werden.

Mit zahlreichen weiteren Staaten, insbesondere in Südamerika und Afrika, bestehen weitere Formen der Zusammenarbeit, die auch Kooperationen im Bereich des Wasserstoffs beinhalten. Jedenfalls die Wasserstoff-Forschungspartnerschaften sollen perspektivisch in die KEP sowie die Wasserstoffpartnerschaften integriert werden.

  • Klima- und Entwicklungspartnerschaften (bspw. mit Brasilien, der Elfenbeinküste, Indien, Kenia, Kolumbien, Marokko, Serbien) stärken lokale Akteure im Bereich des grünen Wasserstoffs. Dies soll zur Dekarbonisierung der lokalen Volkswirtschaften beitragen. Zudem soll eine Diversifizierung der außereuropäischen Wasserstofflieferanten erreicht werden.
  • Just Energy Transition Partnerships (JETP, bestehend mit Südafrika, Indonesien, Vietnam und dem Senegal) unterstützen eine sozial gerechte Energiewende in den Partnerländern. Hierfür sollen lokales Wissen und lokale Wasserstoffkapazitäten durch Aus- und Weiterbildungsprogramme sowie lokale und internationale Vernetzung ausgebaut werden.
  • Die Internationale Klimaschutzinitiative (IKI) fördert verschiedene Wasserstoffprojekte in Entwicklungs- und Schwellenländern, um den Aufbau von klimaneutralen Wertschöpfungsketten zu unterstützen. Darunter fällt auch der Aufbau von lokalem Wissen und lokalen Kapazitäten. Im Bereich des Wasserstoffs fördert die IKI beispielsweise die UNIDO Partnership for Net Zero Industry und das H2-diplo Programm, durch welches an verschiedenen Orten in Export- und Transitländern Wasserstoff-Diplomatie-Büros eingerichtet werden sollen. Bereits eröffnet wurden solche Wasserstoff-Diplomatie-Büros in Nigeria, Angola, Kolumbien, Kasachstan, Kenia, Oman, Saudi-Arabien und der Ukraine.

Fazit

Die Bundesrepublik Deutschland nutzt zahlreiche Instrumente, um auf europäischer und internationaler Ebene einen Hochlauf des Wasserstoffmarktes zu erreichen. Außerhalb der EU bzw. den EFTA-Staaten hat die Zusammenarbeit auch eine entwicklungspolitische Komponente. Die Kooperationsprojekte sollen zugleich die lokale Dekarbonisierung und den Wissensaufbau in den (künftigen) Exportstaaten unterstützen. Ziel ist es, die in Deutschland entwickelten Wasserstofftechnologien und das damit verbundene Wissen zu exportieren, um im Gegenzug grünen Wasserstoff aus geeigneten Produktionsländern zu importieren.

Auf die Herausforderungen des Wasserstoff-Transports aus den potenziellen Importländern sowie die Ausgestaltung des Wasserstoff-Kernnetzes, über welches der Wasserstoff innerhalb Deutschlands transportiert werden soll, werden wir in unserem nächsten Beitrag eingehen.

Das EU/COMP-Team von Chatham Partners ist auf komplexe Fragestellungen und Verfahren im Zusammenhang mit Wasserstoffprojekten spezialisiert und berät Sie gerne bei deren Planung und Realisierung, insbesondere im Zusammenhang mit Vergabe- und Planungsverfahren sowie Förderungsmöglichkeiten.

Wir danken Flora Bantelmann, Louica Unger und Christoph Ludwig für ihre wertvolle Unterstützung bei der Vorbereitung dieses Beitrags.

DALL-E generiertes Bild

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